Almira schweigt

Almira ist neun Jahre alt. Sie kommt aus dem Irak. Mit ihren Eltern musste sie aus ihrer Heimat fliehen, als der Krieg auch ihre Stadt erreichte. Jetzt lebt die Familie in Sicherheit – in einem Wohnheim in Bremen.

Trotzdem machen sich Almiras Eltern große Sorgen um ihre Tochter. In letzter Zeit weint das Mädchen viel. Sie schläft schlecht, hat oft Alpträume. Tagsüber zieht sie sich zurück. Sie ist bedrückt und ängstlich, sondert sich von den anderen Kindern ab.

Ein Sozialarbeiter aus dem Wohnheim hat Almiras Eltern auf REFUGIO Bremen aufmerksam gemacht und so verabreden die Eltern einen Beratungstermin. Im Gespräch mit den Eltern erkennt die Therapeutin von REFUGIO schnell, wie schwer diese selbst belastet sind. Sie haben durch Krieg und Folter tiefste Ohnmacht und körperliche und seelische Verletzungen erlitten. Um sich zu schützen, vermeiden die Eltern, miteinander, oder gar mit Almira, über die traumatischen Erfahrungen zu sprechen. Das Mädchen bleibt so mit seinen Ängsten und den schrecklichen Erlebnissen allein.

Almira beginnt mit der Therapie bei REFUGIO. In den folgenden Behandlungsstunden kann Almira nach und nach Vertrauen zur Therapeutin fassen. Gemeinsam suchen und finden sie im Gespräch und im Spiel Wege, den eigentlich unaussprechlichen Erfahrungen und Erinnerungen einen Ausdruck zu geben und im Laufe der Zeit zu verarbeiten. Almira hilft es unter anderem sehr, das Erlebte mit Puppen nachzustellen.

Angst um die Eltern

Almiras größte Angst ist, dass ihren Eltern etwas zustoßen könnte. Sie spürt, dass es ihnen nicht gut geht, dass sie nicht mehr so für die da sein können, wie sie es einmal waren. Die Therapeutin führt darum Gespräche mit Almiras Eltern und kann sie darin unterstützen, ihre Elternrolle für Almira wieder stärker einzunehmen. Der schwer traumatisierte Vater beginnt selbst eine Therapie bei einem Psychotherapeuten bei REFUGIO.

Entlastung für die ganze Familie

Die gemeinsame Arbeit mit den Therapeuten entlastet die ganze Familie spürbar. Almira ist es jetzt möglich, behutsam über die verletzenden Erfahrungen zu sprechen. Sie öffnet sich gegenüber anderen, ist bereit dazu, wieder soziale Bindungen einzugehen und Freundschaften zu schließen.
Stück für Stück lässt sie neue Erfahrungen an sich heran. Auch in der Schule arbeitet sie mit. Bis Bremen einmal ihr Zuhause wird, ist es noch ein langer Weg. Aber die ersten Schritte hat Almira geschafft.

 

Tina BeckAlmira schweigt