Mona kann endlich ein Kind sein

Unser Förderprojekt Kisiko unterstützt Kinder suchtkranker Eltern. Die Geschichte der kleinen Mona zeigt, in welche Not die Kinder häufig geraten und wie Kisiko ihnen und der gesamten Familie hilft, mit der Suchterkrankung umzugehen.

Die achtjährige Mona ist ein aufgewecktes, fürsorgliches Mädchen. Jeden Morgen weckt sie ihren vier Jahre alten kleinen Bruder, wenn ihre Mutter noch schläft. Sie macht ihm das Frühstück, beschützt ihn und hält ihm die Augen zu, wenn sie selbst am liebsten nicht sehen würde was gerade passiert. Sie beschwert sich nie, weint nie und wird nie laut. Manchmal fühlt sie sich taub, aber auch davon erfährt niemand. Mona ist das Kind einer alkoholabhängigen Mutter.

Die Sucht kam schleichend, aus Überforderung. Alles wurde zu viel: Der Job, die Beziehungsprobleme, das Leben. Irgendwann gab es dann kein zurück mehr und jeder Tag begann mit Wodka. Mona spürt und weiß, dass ihre Mutter sie trotzdem liebt und nur das Beste für sie und ihren kleinen Bruder will. Die Sucht, die Angst, das immer chaotischer werdende Leben der Mutter – das kleine Mädchen versucht all das aufzufangen und ihre Sorgen um die Mutter sowie ihre eigene Traurigkeit geheim zu halten. Niemand darf je davon erfahren! Also funktioniert Mona so gut wie sie kann, bis über den Rand ihrer inneren Erschöpfung.

Als das Jugendamt dennoch von der Situation erfährt, kommt es zu intensiven Gesprächen mit der Mutter und auch mit Mona. Das kleine Mädchen geht von nun an in eine Gruppe der Initiative „Kisiko“. Alle Kinder dieser Gruppe kommen aus einer Familie, in der die Eltern ein Alkoholproblem haben. Kisiko fördert die Stärken und Kompetenzen von Kindern suchtkranker Eltern, um sie zu stabilisieren und widerstandsfähiger zu machen. Das Programm bietet den Kindern einen geschützten Raum, um über das Erlebte zu sprechen. Sie erfahren, dass sie nicht die einzigen Kinder sind, die suchtkranke Eltern haben, was sie als große Entlastung erleben. Kisiko hat das Ziel, Kindern suchtkranker Eltern ihre Kindheit zurück zu geben, ihnen Sicherheit und Geborgenheit zu vermitteln, so dass sie dem großen Risiko entgehen, später selbst einmal süchtig zu werden oder ein Leben lang unter seelischen Störungen zu leiden.

Mona verhält sich in der Gruppe anfangs sehr skeptisch und traut sich kaum etwas zu sagen. Sie möchte ihre Mutter nicht „verraten“ und die Freundlichkeit der Gruppenleiterinnen ist ihr suspekt. Erst nach und nach fasst sie Vertrauen. Immer wieder hört sie „Das kenne ich! Das habe ich selbst schon oft erlebt!“ Dann fühlt sie sich verstanden und erleichtert. Sie lernt, dass die Gruppe, die Kinder und die Leiterinnen zuverlässig und für sie da sind. Mona darf so sein wie sie sich gerade fühlt, laut lachen und auch laut weinen. Beim Toben mit den anderen Kindern vergisst sie manchmal alles und ist einfach nur glücklich. Mit Unterstützung von Bildern, Tonarbeiten und Rollenspielen lernt sie das auszudrücken, was sie so schwer in Worte fassen kann: Die Angst um ihre Mutter. Sie formt einen Briefkasten aus Ton, der für die Mutter eine Entlastung darstellen soll. „Jetzt kann Mama Briefe schreiben, wenn sie Probleme hat. Und dann steckt sie die Briefe in den Briefkasten. Damit kann sie sich von ihren Sorgen erleichtern und muss nicht mehr trinken.“

Im Elterngespräch kann der Mutter deutlich gemacht werden, dass ihre Tochter glaubt, helfend für die Mutter und den kleinen Bruder da sein zu müssen und die Verantwortung für die gesamte Familie auf ihren kleinen Schultern zu tragen. Die Mutter ist geschockt und betroffen. Natürlich möchte sie nur das Beste für ihr Kind, aber die Sucht hat sie blind gemacht. Gemeinsam mit den Leiterinnen der Kisiko-Gruppe entwickelt sie Ideen, um Mona zu entlasten und ihr wieder zu ermöglichen, ein unbeschwertes Kind zu sein. Und immer, wenn der Impuls nach erneutem Alkoholkonsum da ist, denkt sie an die Belastung und Überforderung der Tochter – das hilft ihr „Nein“ zu sagen. Und Mona? Mona hat gelernt sich anderen zu öffnen, Vertrauen zu fassen, sich geborgen zu fühlen und stark zu sein. „Ich hab Dich!“ ruft sie laut und fröhlich beim Fangen spielen und meint dabei auch sich selbst.

Unser Projektsteckbrief gibt weitere Informationen zu Kisiko und der Verwendung der aufgerundeten Cents.

 

Tina BeckMona kann endlich ein Kind sein