Wenn die Worte fehlen…

Mit Kunsttherapie Traumata verarbeiten

Wenn sich Empfindungen jeglicher Beschreibung entziehen, kann es einfacher sein, sich mit Bildern auszudrücken. Diese können als Grundlage dienen, um intensive Emotionen und schmerzhafte Erinnerungen zu besprechen und zu verarbeiten.

Am Nachmittag in einer Berliner Wohneinrichtung für Geflüchtete: Die Kunsttherapeutin von Xenion e.V. hat sich mit einigen Kindern im Aufenthaltsraum getroffen. Jede Woche besucht sie die Kinder in der Einrichtung. Sie bringt ihnen Mal- und Bastelsachen mit – eine heiß ersehnte Abwechslung, da es sonst wenig Beschäftigungsmöglichkeiten und Raum zum Spielen gibt. Plötzlich schrillt es laut!                      Ein Probealarm, der in Deutschland aus Sicherheitsgründen vorgeschrieben ist. Etwas, was jedes Schulkind hier kennt und was man mehr oder weniger genervt oder sogar belustigt hinter sich bringt. Für Kinder und Erwachsene aus Kriegsgebieten kann ein solcher Alarm aber mit lebensbedrohlichen Ereignissen verbunden sein, die plötzlich hochkommen und körperlich spürbar werden. Sie werden an traumatische Erlebnisse erinnert: an einen Angriff, vor dem sie fliehen mussten; an Ereignisse, bei denen Freunde oder Familie verletzt wurden.

In der Unterkunft müssen nun alle alles stehen und liegen lassen und aus dem Gebäude gehen. Nach Ende des Feueralarms kommen die Kinder wieder zurück und berichten der Kunsttherapeutin von Momenten des Schreckens und der Ohnmacht, die in vielen Familien plötzlich wieder da waren. Einige Mütter hatten geweint und zeigten sich überfordert. Mit Hilfe von Bildern beginnen die Kinder, sich mit der Situation auseinanderzusetzen. Der Umgang mit Feuer und Gefahr spielt dabei eine zentrale Rolle. So malen sie feuerspeiende Drachen und gefährliche Ungeheuer, die ihnen einen kreativen Ausdruck des Erlebten ermöglichen und ihnen helfen, wieder zur Ruhe zu kommen.

Diese Ereignis zeigt: Es gibt Erfahrungen und Gefühle, die sind so schmerzhaft, dass man sie einfach nicht aussprechen kann. Durch den symbolischen und indirekten Charakter von Bildern können Konflikte und Emotionen leichter ausgedrückt werden. Kinder können für überfordernde Emotionen ein symbolisches Bild finden – wie die feuerspeienden Drachen. Oder sie können sich von dem, was sie gemalt haben, distanzieren: „Das ist nur eine Geschichte“ – und damit das Unsagbare sichtbar, für andere erfahrbar machen.
So können Erlebnisse von Verlust, Angst und Flucht wie sie in traumatischen Erfahrungen verwurzelt sind, im Bild ausgedrückt und mit dem Therapeuten oder der Therapeutin geteilt werden.

DEUTSCHLAND RUNDET AUF unterstützt Xenion e.V. und deren Projekt Akinda.

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