Weg von der Straße – leichter gesagt als getan

7 Fragen an einen Streetworker
stellte Tina Beck

7.000 Jugendliche und junge Erwachsene geraten laut Deutschem Jugendinstitut jährlich zeitweise auf die Straße. Die Stiftung Off Road Kids, für die wir gerade Spenden sammeln, ist die einzig bundesweit tätige Organisation, die jungen Obdachlosen hilft. Im Gespräch: Jens Elberfeld, Streetworker von Off Road Kids in Dortmund.

Was sind die Gründe, dass die Jugendlichen von zu Hause weglaufen?

Es sind immer familiäre Probleme wie häusliche Gewalt, emotionale Vernachlässigung, alltägliche Konflikte, Scheidung oder Erkrankung der Eltern. Viele waren in Einrichtungen der Jugendhilfe untergebracht und werden von dort abgängig, da es Konflikte mit anderen Jugendlichen oder Betreuern gab.

Es gibt viele Stereotypen und Vorurteile gegenüber Obdachlosen. Welche Menschen trefft Ihr auf der Straße?

Wir treffen Jugendliche aus allen sozialen Schichten. Kids die seit vielen Jahren keine Schule von innen gesehen haben oder welche, die kurz vorm Abitur stehen. Neben den genannten familiären Problemen spielen psychische Probleme leider häufig eine große Rolle. Einigen ist die schwierige Lebenssituation in keiner Weise anzusehen und man würde niemals an das Thema Obdachlosigkeit denken. Bei anderen ist es wieder umso offensichtlicher.

Wie kommt ihr in Kontakt mit jungen Obdachlosen?

Indem wir sie auf der Straße ansprechen. Oder aber auch, und dass immer häufiger, durch Empfehlungen anderer Jugendlicher und Behörden.

Was sind die größten Gefahren, mit denen die Jugendlichen auf der Straße konfrontiert sind?

Gewalt in jeglicher Form. Langfristig gesehen besteht ein erhöhtes Risiko an einer Infektions-, Sucht- oder psychischen Erkrankung zu leiden. Des Weiteren rutschen einige in die Kriminalität, Prostitution oder Verschulden sich, da sie über keinerlei bzw. wenig Einkommen verfügen.

Immer mehr junge Menschen stranden auf dem Sofa von Bekannten und Freunden, wenn sie Zuhause Probleme haben. Warum ist das gefährlich für sie?

Hauptproblem hierbei ist, dass die Jugendlichen im „luftleeren Raum“ hängen und meist ohne Perspektive viel Zeit verlieren. In diesem Zusammenhang wird von Entkopplung bzw. der Abwendung von wichtigen Instanzen wie Familie, Schule, Ausbildung oder anderer Behörden, die dabei helfen könnten ein eigenständiges Mitglied der Gesellschaft werden zu können, gesprochen.

Welche Hilfe bekommen die Jugendlichen bei euch konkret?

Als Erstes sind wir Ansprechpartner und leisten zunächst viel seelischen Beistand. Hierüber kann es gelingen eine Vertrauensbasis herzustellen, die diese Jugendlichen meist zu keinem anderen Erwachsenen mehr haben. In der weiterer Zusammenarbeit mit den Eltern und dem Jugendamt versuchen wir schnellstmöglich eine tragfähige Zukunftsperspektive zu finden. Das kann die Rückführung ins Elternhaus sein oder aber auch die Eingliederung in eine Jugendhilfemaßnahme, wie einer Jugendwohngruppe oder einem kleinen Appartement mit Betreuung. Unser langfristiges Ziel ist, dass die Jugendlichen lernen ein eigenständiges Leben zu führen.

Was war dein persönliches Highlight in der Arbeit mit den Jugendlichen?


Es ist immer wieder sehr eindrucksvoll zu sehen, wie Jugendliche die jahrelang auf der Straße waren, den Absprung schaffen. Eine Unterkunft finden, mit ihrem Betreuungsverhältnis zufrieden sind, einen Schulabschluss schaffen und ohne Drogen und Kriminalität in ihre gesunde Zukunft starten.

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