„Ich wusste dass Deutschland ein Fußball-Land ist“

Der dreizehnjährige Aslan kommt aus Syrien. Aus Damaskus musste er mit seiner Familie fliehen. Seit zwei Jahren lebt er in Deutschland. Und ist froh darüber. “Ich wusste, dass Deutschland ein Fußball-Land ist“. Und „Ich liebe Fußball“, sagt Aslan.

Das war auch der Grund, wieso er in der Schule zur AG von „Fußball trifft Kultur“ gegangen ist. Melania ist erst vor acht Monaten aus Rumänien gekommen. Seitdem ist sie im „Fußball trifft Kultur“-Projekt in Würzburg an der Goethe Mittelschule dabei. Sie kann jetzt schon sehr gut Deutsch sprechen und ist begeistert beim Fußballspielen in Aktion. Sie freut sich sehr, im „Fußball trifft Kultur“-Projekt noch mehr Deutsch zu lernen und vor allem: Fußball zu spielen!

Beim Fußball auspowern und dann in der Schule lernen

Das Projekt „Fußball trifft Kultur“ verbindet Förderunterricht mit Fußballtraining und
kulturellen Aktivitäten. Zwei Jahre lang treffen sich ca. Acht- bis Zwölfjährige zweimal
pro Woche zum Training mit dem Jugendtrainer oder der Jugendtrainerin eines Bundesligavereins.
Anschließend gibt es Förderunterricht in Mathe oder Deutsch. Daneben finden regelmäßig kulturelle Veranstaltungen wie zum Beispiel Museumsbesuche oder Rap-Poetry Workshops statt. Am Ende des Projektes treffen sich alle „Fußball trifft Kultur“-Gruppen zum großen Abschlussturnier.

Wie kommt „Fußball trifft Kultur“ zu den Kindern?

„Am Anfang steht die Kooperation mit dem Bundesligaverein, damit wir einen Trainingsplatz für die Kinder finden,“ sagt Karin Ploetz, Gründerin von „Fußball trifft Kultur“. „Wir arbeiten jetzt mit 15 Clubs zusammen und freuen uns über weitere Partnerschaften, die wir auch gezielt suchen.“ Ist der Platz gesichert, nimmt „Fußball trifft Kultur“ Kontakt zu Brennpunktschulen in der Nähe auf. Welche Kinder an dem Projekt teilnehmen, entscheiden die Projektverantwortlichen gemeinsam mit den Lehrerinnen und Lehrern, so Ploetz. Die Chance, bei „Fußball trifft Kultur“ mitzumachen bekommen Kinder, die im Unterricht nicht gut mitkommen. Bei denen die Lehrerinnen und Lehrer wissen, dass das Geld in der Familie knapp ist. „Und natürlich muss das Kind Lust auf unser Projekt haben und die Eltern müssen zustimmen. Knallharte Auswahlkriterien für unser Projekt gibt es jedoch nicht. An allen Schulen, mit denen wir zusammenarbeiten, ist der Bedarf einfach sehr, sehr hoch,“ sagt Karin Plötz. Häufig seien Kinder dabei, die erst vor kurzem mit ihren Familien nach Deutschland zugewandert sind, kaum Deutsch sprechen und daher im Unterricht schlecht mitkommen. Auch viele Kinder mit Fluchterfahrungen. „Es ist unglaublich, wie viele dieser Kinder bei uns aufblühen, wie schnell sie ihr Deutsch verbessern und einfach riesige Entwicklungssprünge machen. Die Geschichte jedes einzelnen Kindes ist ein enormer Ansporn für uns, weiter zu wachsen und noch mehr Kinder zu erreichen.“ sagt Karin Plötz.

„Gewinnen ist nicht so wichtig“

Boushna ist neun Jahre alt und vor sieben Monaten aus Spanien nach Deutschland gekommen. Ihre Eltern sind aus Marokko und haben mit Boushna und ihrem acht Jahre alten Bruder sowohl in Marokko als auch in Spanien gelebt. Als Boushna vor sieben Monaten nach Deutschland kam, sprach sie Spanisch und ein wenig Arabisch. Zwei Monate später kam sie dann auf die Albert-Schweitzer-Schule und gleichzeitig auch in das Projekt „Fußball trifft Kultur“.
Durch das Projekt hatte sie zusätzlich zweimal in der Woche zwei Unterrichtsstunden, vor allem Deutsch, und zwei Stunden Fußballtraining. Bei ihrem ersten Ausflug mit dem Projektteam bei der „Lese-Eule“ im November 2017 war ihr noch alles fremd und sie verstand sehr wenig. Aber beim Fußballtraining blühte sie so richtig auf. Ihr Projekttrainer ist total begeistert von ihr und meint, sie sei ein Fußball-Naturtalent. Obwohl klein und zierlich, kämpft sie um jeden Ball. Mit ihrer Aufgewecktheit und Neugier lernt sie schnell Deutsch und fällt im Unterricht vor allem durch ihre ausgleichende Art auf. Wenn es Streit gibt, ist sie immer sofort als Schlichterin dabei, erzählt ihr Lehrer Felix Mauser. Und nach nur fünf Monaten steht sie in der Klasse auch schon mal an der Tafel und erklärt den anderen Kindern, welche Bedeutung bestimmte Begriffe haben. Am meisten freut sie sich jetzt aber auf das große „Fußball trifft Kultur“-Abschlussturnier, wo alle Projektteams sich treffen. Mehr als 500 Kinder spielen um die Wanderpokale der U10, U12 und U14. Auf die Frage, ob sie den Pokal gewinnen will, sagt sie: „Gewinnen ist nicht so wichtig, ich will Spaß haben und Fußball spielen“.

Weitere Informationen

Projektinformationen über „Fußball trifft Kultur“

Homepage von Fußball trifft Kultur

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