Lernen im Gemüsegarten

„Warum ist die Ameise orange?
Sie hat vermutlich ganz viel Kürbis gegessen.“
Ein Tag in der Acker-Kita: Schon die Kleinsten sind hier fleißige Gärtner und Erntehelfer. Es wird gebuddelt, gefühlt, gerochen, gegessen, geschaut und manchmal auch gehört. Die Garten-Zwerge beobachten das Wachstum der Pflanzen und lernen neue Gemüsearten kennen. Entdeckungen werden gemacht: „Die Blätter verändern ihre Farbe“ oder „Jetzt blühen auch die Blumen!“ und stolz ziehen sie im Herbst dann die ersten Möhren oder Kohlrabis aus der Erde und bestaunen ihre Ernteergebnisse. Im Winter fragen sie: „Warum sehen die Pflanzen jetzt matschig und braun aus?“
„Kennst du ein Tier, das gut und eins das nicht so gut für den Gemüseacker ist?“ Kita-Kind: „Na ein Wurm, der keinen Unsinn im Kopf hat und ein Wurm, der Unsinn im Kopf hat.“
Ein Jahr lang geht das Ackerjahr in der brandenburgischen Kita und die 3- 6jährigen Mini-Forscher erleben und erlernen alle Jahreszeiten auf „ihrem“ Acker. Und dies mit Erfolg: Im Vorfeld der AckerZeit wurden die 60 Kita-Kinder nach ihrem Lieblingsgemüse gefragt. 37 der Kinder nennen Gemüse, 20 nennen auch Obst und andere Lebensmittel. Nach der AckerZeit wird diese Frage wiederholt. Die Auswertung zeigt, dass sich das Verständnis für Gemüse bei den Kindern stark verbessert hat. 54 Kinder können nach der AckerSaison ein konkretes Gemüse nennen. Obst wird kaum noch erwähnt.
 
Nicht nur die Kleinsten, auch Schüler profitieren von der GemüseAckerdemie. Fast zwei Jahre ist es her, dass Klassenlehrer Tim Danker mit der Idee auf seinen Schulleiter am Gymnasium am Kattenberge zuging, um ein Acker-Projekt für die 7. und 8. Klassen zu starten. Diese SchülerInnen befänden sich in der „Hochpubertät“ und Danker wollte dem etwas entgegensetzen. “Wir haben im Kollegium festgestellt, dass wir ein Mobbing-Problem in der 7. und 8. Klassenstufe haben und uns entschieden, etwas am Unterricht zu verändern. Unser Ziel war es, den sozialen Zusammenhalt innerhalb der Klassen zu fördern. … Daraufhin haben wir eine Projektgruppe gegründet und uns ein Vierteljahr lang alles Mögliche angeschaut – Floß bauen, Segelkurse, Reiten –, bis wir auf Ackerdemia gestoßen sind“, erklärt der Deutsch- und Geschichtslehrer Danker. Die Bewerbung bei der Ackerdemia ist schnell gemacht und bereits ein Jahr später ist die Schule ein Teil der GemüseAckerdemie. Durch den Anbau und die Pflege erfahren Jugendlichen die vollständige Produktionskette des Gemüseanbaus und noch mehr. In nur ihrem Ackerjahr lernten die stolzen Neugärtner alles über Hühner- und Kükenpflege, pflanzen 2.500 Tulpenzwiebeln, verkaufen die selbstgepflückten Blumen für einen guten Zweck und bauen 23.000 Kartoffeln an. Ein weiterer, positiver Effekt: Die Kinder lernen ein soziales Miteinander, arbeiten zusammen und haben letztendlich ein gemeinsames Erfolgserlebnis und die Mobbingattacken waren stark rückläufig.
 
„Das Projekt stärkt Gemeinschaft und Teamwork. Man macht gemeinsam etwas mit den Händen, nicht nur mit dem Kopf. Es ist eine Möglichkeit, Schule ein bisschen zu verändern und hat ein Riesen-Potenzial”
 
schätzt Tim Danker das erste Ackerjahr der GemüseAckerdemie ein. Auch in den Familie der Schüler bemerkt man die Veränderung. Eltern bestätigen, dass ihre Kinder mehr auf die Umwelt schauten, jetzt den Müll trennten und bewußter mit Essen umgingen.
Heute bewirtschaften die SchülerInnen die AckerFläche mit der GemüseAckerdemie und die LehrerInnen nutzen den Lernort Acker darüber hinaus für verschiedenste Unterrichtsfächer: Ob für mathematisch- naturwissenschaftliche Anwendungen wie den Dreisatz zum Berechnen von Ernteerträgen und Wasserverbrauch oder im Physikunterricht bei der Einführung des Energiebegriffs.
 

                                                                                                                                                     

 

 

Weitere Informationen:

GemüseAckerdemie

 

Ann Kathrin KleistLernen im Gemüsegarten