Das war meine Chance – Hans Sarpei

Man sagt ja so schön: „Jeder hat eine zweite Chance verdient!“. Wenn´s nach uns geht, hat jeder auch eine dritte verdient. In der Realität aber bekommen viele Menschen in unserer Gesellschaft noch nicht einmal eine erste Chance!

Mit dieser Rubrik starten wir eine Interview-Reihe mit verschiedensten Menschen aus unserer Gesellschaft. Manche sind Prominente, manche sind „Helden des Alltags“, alle hatten sie ihre Chance(n). Wie unterschiedlich diese Chancen sein können, wie unauffällig sie oft daher kommen, wie viel sie mit Zwischenmenschlichkeit und Empathie zu tun haben und wie sehr wir sie alle brauchen… all das könnt Ihr in den kommenden Interviews lesen. Jedes einzelne ist eine Plädoyer für Chancengerechtigkeit.

Den Anfang macht der ehemalige Bundesliga-Profi und Social Media Star Hans Sarpei.

 

Hans, du hast Karriere in der Fußball-Bundesliga, im Fernsehen, in den sozialen Medien gemacht, bist Vater von zwei Kindern und hast sicher eine Menge Pläne, von denen wir noch nichts wissen. Wie hast Du das alles geschafft?
Das war ein langer Weg. Der umfasst ja mein halbes Leben. Angefangen hat alles mit dem Fußball. Da war erstmal ganz viel Leidenschaft, Freude und Spaß. Und dann war natürlich auch ein bisschen Glück dabei, dieses Hobby zum Beruf machen zu können.
Talent hilft, aber reicht nicht aus. Wichtig sind Leidenschaft, ein starker Wille und viel, viel Arbeit. Sehr viel Arbeit!
Die Kinder sind ja ein Geschenk Gottes! Kinder sind im Leben etwas ganz besonderes, alles andere wird plötzlich zur Nebensache. Aber alles was du tust, bekommt auch einen Sinn. Du weißt jetzt warum und vor allem für wen du das tust. Denn natürlich sollen deine Kinder einen besseren Start bekommen als du. Sie sollen die bestmöglichen Chancen und gute Bildung bekommen.

Wenn Du Dich zurückerinnerst, gibt es einen Menschen, der Dir in Deinem bisherigen Leben besonders weitergeholfen hat?
Natürlich! So jemanden braucht jeder, um erfolgreich zu sein.
Wichtig ist immer die Familie. Im Fußball war es bei mir Toni Schumacher, der mich unterstützt und gefördert hat.
Bei meinen Social-Media Aktivitäten war es Raphael Brinkert von „Jung von Matt“.
Der Austausch mit einer anderen Person ist unheimlich wichtig. Jemand der dir seine Meinung sagt, der dich auch mal kritisiert, dir sagt was du anders machen könntest und auch was schon richtig gut läuft… das ist eine wichtige Hilfe und Unterstützung.

Hast du in deiner Schulzeit selbst oder bei anderen Kindern soziale Ausgrenzung und/oder Chancenungerechtigkeit erlebt?
Ich bin ja in Köln-Chorweiler groß geworden. Da gibt es vor allem Familien, die ihre Kinder finanziell nicht so gut unterstützen können, so dass sie nicht die gleichen Chancen haben, wie andere. Ich habe natürlich erlebt, dass jemand zum Beispiel nicht mit auf die Klassenfahrt konnte. Und dann findet tatsächlich – ob aus böser Absicht oder nicht – Ausgrenzung statt. Kinder können da sehr brutal sein, aber oft wissen sie es nicht besser. Auch Ausgrenzung aufgrund von Religion oder Hautfarbe kommt ins Spiel. Das habe ich natürlich persönlich erlebt, auch wenn es Einzelfälle waren. Für Kinder ist das schwer zu verstehen. Sie kennen die Ursachen nicht und können die ganze Situation gar nicht richtig einschätzen. Deshalb ist es so wichtig, dass Erwachsene da sind, die erklären können und die etwas anderes vorleben. Jedes Kind reagiert ja unterschiedlich. Der eine kann sich nur durch seine körperliche Stärke ausdrücken und wird vielleicht gewalttätig. Lehrer sind da oft hilflos und erkennen nicht, dass dies das einzige Ausdrucksmittel ist, das dieses Kind zur Verfügung hat. Dann gibt es natürlich auch welche, die verbal stark sind und sich mit Worten wehren können.

Bemerkst Du als Vater, dass Deinen Kindern oder ihren Freundinnen und Freunden von Erwachsenen Stereotype vorgegeben werden, die sie begrenzen? Die sie zurückhalten, etwas auszuprobieren?
Nein, gar nicht. Meine Kinder sind noch im Kindergarten und ich bzw. wir als Eltern. sind ja verantwortlich dafür, dass sie alles ausprobieren können und lernen, mutig zu sein. Mir ist es ganz wichtig, dass sie am Ende selbst entscheiden können, was sie mit ihrem Leben machen wollen und damit glücklich werden.

In Deiner Serie „Das T steht für Coach“ hilfst Du Amateur-Fußball-Mannschaften, an die keiner mehr glaubt. Was motiviert Dich dazu?
Mich motiviert, dass ich denjenigen etwas zurückgeben kann, die mich damals als Bundesliga-Spieler unterstützt haben: als Fans, als diejenigen, die Tickets gekauft haben und die uns im Stadion angefeuert haben. Und es macht einfach Spaß, mit diesen Menschen Zeit zu verbringen und ihnen etwas von den Erfahrungen eines Fußball-Profis weitergeben zu können.

Was macht Dich glücklich?
Eine schwierige Frage!
Es macht mich glücklich, dass meine Familie gesund ist.

Was macht Dich wütend?
Dass wir in der heutigen Zeit immer noch mit Diskriminierung und Vorurteilen zu kämpfen haben, mit Fremdenfeindlichkeit, Homophobie…. Dass viele Menschen andere nicht so sein lassen können, wie sie sind.

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